Kunst (v)ermittelt Klimawandel: Künstlerische Positionen (in öffentlichen Räumen)
Lehrveranstaltung, KU LINZ/BA Kulturwissenschaften, SoSe 2022


Zunehmend setzen sich Kunstschaffende aktiv mit dem Klimawandel auseinander und greifen in den öffentlichen Diskurs ein. Ebenso ist der Kunstbetrieb gefordert, sich den akuten Herausforderungen der Klimaschädigung zu stellen.

Die Klimakatastrophe ist jetzt: Mit diesen drastischen und einleitenden Worten veröffentlicht der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) im Februar 2022 den zweiten, global umfassenden Klimabericht – und ruft zum sofortigen Handeln auf. Auch im Kunstsektor ist die Dringlichkeit und Präsenz der Klimakrise zu beobachten. In Lehre und Forschung wird untersucht, welchen Beitrag die Kunst für eine der größten Herausforderungen unserer Gegenwart und unserer Zukunft leistet - und leisten kann!

Von der Dokumentation…

Street Art, Fotografie und Film können als jene künstlerischen Genres angesehen werden, die sich bereits frühzeitig mit den Auswirkungen der Klimakrise auseinandergesetzt haben. Kunstschaffende wie u.a. Paolo Grangeon, Eduardo Leal, Barbara Dombrowski, Mauy, Nathalie Miebach, Hermann Josef Hack oder Olafur Eliasson dokumentieren und inszenieren in unterschiedlichen Formaten die Ursachen und Folgen der menschgemachten Klimaschädigung.
In zahlreichen Arbeiten bilden dabei Daten die Basis (Data-Based-Art/Data-Driven-Art), um mittels Visualisierungen, Abstraktionen und Verfremdungen dieser, eindrucksvolle Bilder(-welten) zu schaffen und Fakten kraftvoll zu inszenieren. Oft werden auch Kooperationen mit Umweltorganisationen eingegangen. Der Charakter dieser Arbeiten ist eher dokumentativ, der Appell zum Handeln ist dennoch spürbar.

 

Mauy, Burning Animals, Thailand 202
Mauy, Thailand 2020

Eliasson, Ice Watch, London 2018

Ressler, New Model Army, Wien 201

…zum aktiven Handeln!

Für ein radikales Umdenken, sofortiges Handeln und die Neuverhandlung unserer auf Wachstum ausgerichteten Lebensweisen setzten sich jene Kunstschaffende ein, die an den Schnittstellen von Kunst und Aktivismus agieren: So zeigt die amerikanische Künstlerin Mary Mattingly in ihren Projekten (beispielhaft) auf, inwiefern eine ökologische Lebensart als künstlerisches Projekt öffentlich gelebt werden kann. Der österreichische Künstler, Filmemacher und Aktivist Oliver Ressler wiederum steht (exemplarisch) für ein künstlerisches Agieren, das politischen Widerstand und zivilen Ungehorsam als unabdingbare Haltung gegenüber aktuellen Entwicklungen ansieht.

Dass für immer mehr Kunstinstitutionen der Anspruch gilt, ökologische Kriterien nicht nur in ihre programmatischen Leitlinien, sondern in nachhaltige Handlungsabläufe zu integrieren, darauf verweisen etwa die Serpentine Gallery und das Kunsthaus Wien

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Über die Lehrveranstaltung:
Nach einer Einführung in Intentionen, Aufgaben und Herausforderungen von (zeitgenössischer) Kunst
im Kontext der Klimakrise und ihrer Funktion als auch Rolle einer V/Ermittlerin, werden zentrale
Arbeiten der letzten Jahre vorgestelltund ein Überblick aktueller künstlerischer Entwicklungen gegeben.

In einer Kurzexkursion nach Wien besuchen wir die Ausstellung "Wenn der Wind weht" im Kunsthaus Wien und nehmen an der l Eröffnung "DAS WETTER VON MORGEN - Kunstprojekte zum Klimawandel für den öffentlichen Raum Floridsdorf" teil.

In Folge recherchieren die Studierenden eigenständig eine aktuelle künstlerische Arbeit und präsentieren diese als Pecha-Kucha-Kurzpräsentation. Final werden die in der LV erworbenen Perspektiven und kennengelernten Position mit Blick auf das Konezpt einer Artistic Citizenship diskutiert und die Potenziale von Kunst als Beitrag für die Klimakrise analysiert.