Ein Atelierbesuch bei Sophia Uckmann als persönlicher Nachklang
Interview, A-Wien, sehsaal 2021

Dass Sophia Uckmann im März 2021 den sehsaal als offenes Atelier benutzt, ist ein Zufall – vielmehr eine glückliche Fügung. Für vier Wochen arbeitet sie vor Ort an Le premier lieu. Jenen, die wie ich ihrer Einladung folgen, sich in persönlichen Zeitfenstern auf ihre prozess-orientierte Rauminstallation einzulassen, macht sie ein einladendes Angebot: sich in Zeiten der Pandemie auf elementare Fragestellungen und Erfahrungen zurück zu besinnen, in denen das Triangel Körper, Zeit und Raum in seiner Ursprünglichkeit wahrnehmbar (gemacht) wird.

Sophias Aufenthalt ist jenen Fragen der Planungsunsicherheit geschuldet, die wohl alle Kunstvereine in den letzten Monaten geplagt haben: Zu oder auf? Online oder analog? Abwarten oder verschieben? Aktiv werden oder passiv im Stillstand verharren? Unbewusst, jedoch passgenau zu unserem Jahresthema `Resonanz & Resilienz´, diskutierte das sehsaal-Team Anfang des Jahres und in einem dieser `Leider nur Zoom ´- Meetings, wie wir mit Ausstellungen, Diskussionsformaten und Eröffnungen in den kommenden Wochen umgehen sollten. Fallzahlen abwägend, Prognosen vergleichend und Medienberichte deutend entschieden wir uns (wehmütig), alle geplanten Aktivitäten bis Ende März zu verschieben oder abzusagen. Ein leerer sehsaal? Geht gar nicht, waren wir unisono einer Meinung.

Einem Aufruf an befreundete Kunstschaffende, ob jemand den Raum in den kommenden Wochen zwischennutzen wollen würde, folgte bereits nach wenigen Tagen eine E-Mail, die uns spontan ansprach: Eine junge Künstlerin schreibt, dass sie aktuell einen Ort für die Arbeit an einem Projekt sucht und der Begriff der Resilienz einer sei, den sie auf jeden Fall als Grundmotiv ihres Vorschlages sehe. Sie möchte den sehsaal als Freiraum für ihre aktuelle Arbeit nutzen, die aus einer Gegenreaktion gegen die Körperlosigkeit entstanden sei. Den Körper gerade jetzt als Werkzeug zu nutzen, weil er ausnahmslos immer vorhanden ist und mit ihm das einfachst verfügbare Material in der Natur zu suchen, begreife sie als Form der Resilienz gegenüber der Lebenssituation des letzten Jahres. Dass das eine eher wackelige Angelegenheit sei, verdeutlicht sie durch den Link zu einem Video, das `erste Schritte´ des künstlerischen Prozesses dokumentiert.

Wer den sehsaal kennt, wird dessen Atmosphäre bestätigen, die eine konzentrierte Ruhe ausstrahlt. Sophia ist bereits zwei Wochen zu Gast, als wir uns treffen. Der entleerte Raum mit seinen weißen Wänden, die (fast) raummittig positionierten Steine am steinernen Boden, die uns umgebende Stille und auch Sophia – all das fließt bereits beim Eintreten in meine Wahrnehmung und löst eine eigentümliche Anziehungskraft aus. Kunst in Zeiten der Distanz so unmittelbar, puristisch, fast spartanisch, dennoch empathisch und vielschichtig erleben zu dürfen, stellte sich für mich in der Begegnung mit Sophia und ihrer Arbeit als Geschenk dar. Nach einer kurzen Ellbogenbegrüßung beginnt sie zu erzählen – und ein Dialog über und im Raum entsteht, der den Bogen vom künstlerischen Prozess nicht nur zu existentiellen Fragen des (Da)Seins, sondern auch zu unserem Jahresthema `Resonanz & Resilienz´ spannt.

>> Interview: Interview_SophiaUckmann_sehsaal_2021

Link: Le Premier LieuSophia Uckmann - sehsaal