Blogbeitrag: Kunst als Faktor regionaler (Kultur)Entwicklung
In: Oszillator, Blog für #Kunst#Räume#Provinz, Zeitz 2019

Kann Kunst einen Beitrag für regionale Entwicklungen leisten? Inwiefern kann Kunst als Faktor für Regionalentwicklung angesehen werden? Vor allem aber: Warum sollte Kunst in regionalen Entwicklungsprozessen ein zentrale Rolle spielen? Im Aufmachen von Räumen zwischen Gegebenem und Möglichem liegt das Fundament für jene dynamischen Prozesse, die eine aktive Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes als kollaborative Aufgabe der regionalen Bevölkerung fassen.

Regionalentwicklung umfasst, die soziale, gesellschaftliche, wirtschaftliche, infrastrukturelle und zunehmend digitale Situation und Struktur innerhalb einer spezifischen räumlichen Ordnungseinheit positiv zu beeinflussen. Ob es Problematiken der Ressourcenknappheit in den Bereichen Wohnen, öffentlicher Verkehr, Schulen und Freiflächen sind, mit denen urbane Metropolen und Großstädte aufgrund von Zuwanderung zu kämpfen haben, oder ob es die Sorgen vor Landflucht, Abwanderung und damit verbundenen Desinvestitionen sind, mit denen strukturschwache ländliche Räume konfrontiert sind - die Lebensqualität des alltäglichen Umfeldes zu verbessern oder zumindest nachhaltig zu erhalten, kann als zentrale Intention von Regionalentwicklung angesehen werden. Regionale Entwicklungsmaßnahmen fußen dabei zumeist auf einer Analyse dessen, was eine Region mehr oder weniger lebenswert macht sowie einer Einschätzung ihrer Potenziale, aber auch ihrer nachteiligen Beschränkungen für zukünftige Entwicklungen. Zwischen diesen Polen von Gegebenem und Möglichem setzt Regionalentwicklung an.

Um realistische Strategien und Massnahmen zu definieren, braucht es fachliche Expertise, vor allem aber auch zivilgesellschaftliches regionalspezifisches Wissen – und die aktive Beteiligung der Bevölkerung an der Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes. Ob urbanes Zentrum, städtische Randlage, Kleinstadt, Metropole, Dorf oder regionaler Landstrich - Partizipation stellt in der Regionalentwicklung die Basis, damit Prozesse einer kontinuierlichen Erneuerung und eines Fortbestands der Lebensqualität unter Beteiligung vieler umgesetzt werden kann. In diesen Prozessen spielen Visionen, Zukunftsszenarien und zuweilen auch zugespitzte (Real)Utopien eine wesentliche Rolle. Die Freude an der Mitbestimmung des eigenen Lebensumfeldes und das damit verbundene und notwendige Vertrauen in die eigenen als auch kollektiven Handlungsmöglichkeiten braucht sowohl Vorstellungskraft, visionäre Bilder und stimmgewaltige Szenarien  als auch eine Atmosphäre des Miteinanders und der verbindlichen Zugehörigkeit.

Diese partizipativen und antizipativen Prozesse benötigen dabei stets auch Raum für Austausch, damit eine Ausverhandlung zumeist unterschiedlicher, oft auch divergierender Interessen, individueller Erwartungen und konkreter Zukunftsbilder gewährleistet ist. Speziell in Gegenden abseits kultureller Ballungszentren sind es kulturelle Initiativen wie Kunstvereine, Mehrspartenhäuser, soziokulturelle Zentren, aber auch temporäre, oft partizipative Projekte ortsansässiger Kunstschaffender, die diese Räume einer multiperspektivischen Ausverhandlung herstellen. Indem sie Raum für Kunst, kulturelle Teilhabe und kreative Gestaltung bieten, schaffen sie nicht nur Begegnungszonen und Treffpunkte – sie können regionale Entwicklungsprozesse erheblich unterstützen, sogar das Fundament für diese herstellen: Denn das Aufmachen von Räumen zwischen Gegebenem und Möglichen, ist exakt jenes Potenzial, das in der Kunst verankert ist – und sich über Ko-Kreation und kulturelle Mitgestaltung lokal entfalten kann...

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