studie :: kunst im (um)bau, berlin 2018/2019

studioachtviertel Kulturgarage (2018)
studioachtviertel Kulturgarage (2018)
studioachtviertel, Kulturgarage (2018)
studioachtviertel, Kulturgarage (2018)
44flavours, Alphabet der Formen (Vorderhaus 2018)
44flavours, Alphabet der Formen (Vorderhaus 2018)
44flavours, Alphabet der Formen (Hinterhaus 2018)
44flavours, Alphabet der Formen (Hinterhaus 2018)

Kunst im (Um)Bau
Kuratorische Projektreihe als wissenschaftlich-künstlerische Studie, Kooperations-Auftragsprojekt, Berlin 2018/2019

Inwiefern kann Kunst einen Beitrag in konfligären Umbruchsituationen leisten? Inwiefern kann eine künstlerische Gestaltung in den unmittelbaren Wohn- als Lebensraum einwirken, wenn dieser von Veränderung und Wandel betroffen ist? Inwiefern können (unterschiedliche) ästhetische Zugänge sozietär auf das Zusammenleben in jenen Räume eingreifen, die sowohl durch Privatheit und Öffentlichkeit als auch von wirtschaftlichen, politische und persönlich-individuellen Interessen geprägt sind?

Diese in Kunstkontexten vor allem in Bezug Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum diskutierten Fragestellungen sind Ausgangspunkt einer kuratorischen Projektreihe, die diese auf aktuelle Diskurse, Entwicklungen und Herausforderungen der urbanen Wohnraumverdichtung und ihre Veränderungen des städtischen, jedoch semiöffentlichen/semiprivaten Lebensraums transferiert. In von Veränderungen der Wohnraumverdichtung - sowie Privatisierung und Gentrifizierung - betroffenen Berliner Mehrparteienhäusern werden fünf raum-, lokal- und kontextspezifische künstlerische Interventionen entwickelt: Aus einer künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsperspektive werden Prototypen für künstlerische Gestaltungsformate erprobt und entwickelt, die in halböffentlichen Wohnräumen (u.a. Innenhöfen, Gemeinschaftsräumen, Gärten, Gängen, Stiegenhäusern, Hinterhoffassaden) zumeist temporäre, teilweise auch dauerhafte kontextspezifische Eingriffe realisieren und mit unterschiedlichen ästhetischen Zugängen (u.a. etwa formal-ästhetisch, design-orientiert, dialogisch, partizipativ, performativ) sowie verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen die spezifische Kontexte der jeweiligen Häuser und  Alltagssituationen der Bewohner*innen aufgreifen:

Ob eine leerstehende `(Kultur)Garage´(studioachtviertel, Moabit); im Hinterhof, die in einem partizipativen Prozess zu einem künstlerisch-kreativen Begegnungsraum umgestaltet wird; ob kontextspezifische Gestaltung eines großflächigen Wandbildes `Rich&Hard // Soft & Poor´(Alexander Wolff, Neukölln); im Eingangsbereich und an der Hinterhoffassade, die ihre Materialbasis aus dem Gemeinschaftsgarten und vorgelagerten Straßendreck gewinnt; ob (audio)visuelle und interaktive Installationen, die als >> Semi Public Gallery (Ruben Dhérs, Pierre Etienne Morelle, Jelena Fuzinato, Kreuzberg) die Historie des Gebäudes und Kiezes rund um die Berliner Mauer als auch die aktuelle Umbruchsituation atmosphärisch einfangen und sich im Stiegenhaus, Kellerfenster und Eingangsbereich sensibel in das denkmalgeschützte Ensemble sowie Alltagsleben der Bewohner*innen einfügen; ob die dialogorientierte Erstellung eines visualisierten Alphabets der Formen (44flavours, Wedding), das farbenfroh an den neu errichteten Balkongeländern Sichtschutz bietet und dennoch zum nachbarschaftlichen Austausch einlädt, oder ob eine Glasinstallation als Open Window (Barbara Höller, Charlottenburg), die die Blickachsen auf ein ehemaliges Industriegebäude aufgreift und in das Nachhause-Kommen begleitet -  in unterschiedlichen künstlerischen Gestaltungsformaten wurden kontextspezifische Eingriffe realisiert, die mit diversen ästhetischen Zugängen auf das Zusammenleben der Bewohner*innen (ein)wirken. Unterschiedliche Gestaltungsformate sowie ästhetisch-künstlerische Ansätze wurden mit Bezug auf die jeweiligen Gegebenheiten der Wohnhäuser entwickelt.

Ziel der Projektstudie ist, einen alternativen Beitrag zu aktuellen und stark polarisierenden Debatten einer verdichten urbanen Wohnraumentwicklung zu leisten. Diese werden zwar als Rahmung aufgegriffen werden, jedoch soll vor allem das Potential von Kunst in ihrer ästhetischen Vielfalt als sozietär-ästhetische Gestaltungspraxis experimentell erprobt werden: In Zusammenarbeit mit (ausgewählten) Bauträgern, Immobilienfirmen und Hausverwaltungen wird untersucht, ob bzw. inwiefern kontextspezifische künstlerische Eingriffe für das Zusammenleben in einem sich verändernden Wohn-als Lebensraum einen Beitrag leisten können.

 

Rich&Hard // Poor&Soft, Alexander Wolff (Fassade, 2018)
Rich&Hard // Poor&Soft, Alexander Wolff (Fassade, 2018)
Rich&Hard // Poor&Soft, Alexander Wolff 2018 (Eingangsbereich)
Rich&Hard // Poor&Soft, Alexander Wolff 2018 (Eingangsbereich)
Pierre-Etienne Morelle, Interstice (2018)
Pierre-Etienne Morelle, Interstice (2018)
Ruben Dhers, Inner Clock (2018)
Ruben Dhers, Inner Clock (2018)