Selbstgewissheiten durchrütteln: Ästhetische Prozesse in partizipativen Räumen
Vortrag, Deutscher Kongress für Ästhetik, Offenbach 2018

Partizipativen Projekten in Kunst und Kultur wird das Potential zugesprochen, multivokale Verhandlungsprozesse über kulturelle Deutungen und Zuschreibungen zu initiieren: Sie brechen konventionalisierte Verhaltensmuster und Wahrnehmungsstrukturen auf, schaffen Raum für alternative und vielfältige (Re-)Interpretationen und bringen scheinbare Gewissheiten – ob als vorherrschende Perspektive, als soziales Gefüge oder als individuelle Haltung – ins Wanken. Basis dieser Prozesse bildet das Herstellen von Räumen, die zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, verortet sind und mittels dieses Dazwischen(-Seins) ästhetische (Erfahrungs-)Prozesse ermöglichen.

Ausgehend von aktuellen Konzepten, die Raum in einer Wechselwirkung von Handlungsnormen und sozialen Praxen verorten (Lefébrve, Löw, Busch), wird im Vortrag die Bedeutung des Herstellens von Zwischenräumen und ihres ästhetischen Potentials für die Neuverhandlung von kulturellen Bedeutungszuschreibungen erörtert. Denn speziell in künstlerischen Kontexten kann dieser Zwischenraum als räumliche bzw. verräumlichte Potenz jener ästhetischen Prozesse und Erfahrungen interpretiert werden, die als „Erscheinen in [der] Unbestimmtheit des Phänomenalen“ (Seel), als „Macht des Unbestimmten“ (Ranciere) und als „Schwellenzustand“ (Fischer-Lichte) gefasst werden (können) und im Sinne einer „dialogischen Ästhetik“ (Kester) auf ein (selbst)transformatorisches Potenzial verweisen.

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